Grußwort

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Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem anderen: Was will das wrden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weines. (Apostelgeschichte, Kap. 2,12)

Mit diesen Worten, liebe Gemeinde, werden wir auf eines der drei großen christlichen Feste im Kirchenjahr hingewiesen, nämlich das Pfingstfest. Vor kurzem war es wieder so weit, dass wir dieses Fest begehen durften. Das Fest der "Ausgießung des Heiligen Geistes". Und da fallen diese Worte:"Sie sind voll süßen Weines" - also besoffeen, Verzeihung, "trunken". Wer spricht da? Und vom wem ist die Rede? Wir erinnern uns: Als der Heilige Geist unter die im Jerusalemer Tempel versammelten Menschen fuhr, die aus aller Herren Länder zusammengekommen waren, da geschahen sehr merkwürdige Dinge. Alle Versammelten verstanden einander. Obwohl jeder in seiner Sprache sprach: Parther und Meder und Elamiter, Mesopotamier, Kappadozier und Pamphylier, Phrygier, Kyrener und noch einige andere vorderasiatische Provinzler. Damit nicht genug. Auf ihren Köpfen tanzten Feuerzungen, nachdem ein gewaltiges Brausen durch das ganze Haus gegangen war. Einige Tausend ließen sich daraufhin taufen, ganz spontan. Irre!

Wann hat man in der Kirche so etwas Verrücktes, so viele Menschen Bewegendes erlebt? Erfahren wir nicht bei uns eher das Gegenteil? In einem Gottesdienst im vergangenen Jahr in unserer Kirche waren einmal mehr Lieder angeschlagen als Leute in der Kirche waren. Für jeden eins, gewissermaßen. Ich will mich nicht beschweren und halte mich an den Spruch, der sagt, die Leute, die da sind, seien genau die Richtigen. Aber etwas ernüchternd ist es doch. Jedenfalls ist keiner trunken, wie es damals in Jerusalem festgestellt wurde. Und ehrlich gesagt, ist es mir auch ganz recht, wenn es etws nüchterner zugeht.

Trotzdem: Wäre es nicht eine Sache, wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache, Tradition, Geschmack oder Lebensgefühl, (mehr) Verständnis füreinander entwickeln würden? Und wäre es nicht manchmal doch gut, wenn es ein bisschen mehr "brennen" würde, auch in unseren Gemeinden - über alle Nüchternheit und alles Zweckdienliche und Angemessene hinaus? Wenn ein frischer Wind in unserer Kirche wehte oder vielleicht einmal ein reinigendes Gewitter käme? Und wenn die Christenheit insgesamt sichtbar wachsen, anstatt in aller Stille schrumpfen würde, wäre das ja eigentlich im Sinn Jesu, der seinen Jüngern den Auftrag zur Taufe "aller Völker" gegeben hat.

Vielleicht geht ja beides: Sowohl Vernunft, als auch Verrücktheit, ordentliche Arbeit und das eine oder andere Experiment. So lief es ja auch in der anfänglichen Kirche, bald nach dem ersten Pfingstfest. Da wurde Geld gesammelt, um die Bedürftigen zu versorgen und gleichzeitig zogen Leute wie Paulus durch die Weltgeschichte, um auf gut Glück ihren Glauben zu verbreiten, der ihr Leben umgekrempelt hatte. Ohne das Notwendige wird´s nicht gehen, aber ohne Fantasie wird´s fad.

Wahrscheinlich braucht´s dazu noch einen Ruck oder auch mehrere. Woher soll der kommen? Na klar, von Gottes Geist, den wir an Pfingsten feiern und der damals einiges aufgewirbelt hat. Nach der Aussage der Reformatoren weht der immer da, wo´s ihm gerade einfällt. Gebe also Gott, dass er uns immer mal wieder streift: Mit Begeisterung, aber auch - natürlich - mit Besonnenheit.

Viele Grüße, Ihr Pfarrer Adam Weiner.